Aus Gründen bestellte ich mir vor einigen Tagen ein Google Nexus. »Aus Gründen« möchte ich tatsächlich einmal genauer erörtern. Auf der einen Seite benötige ich das Teil in Verbindung mit meiner Firma, wichtiger aber noch: Ich bin verdammt enttäuscht von Apples letztem Smartphone, von der Abnutzung des Lackes bis hin zum Dauerbrenner Akkulaufzeit (einmaliges Aufladen pro Tag reicht nicht mehr).
Bisher kam ein Wechsel für mich aus drei Gründen nicht in Frage: Musik, Synchronisation, Apps. Seitdem ich aber begeistert rdio nutze ist Punkt 1 hinfällig, da ich mit guten Gewissen meine legal erstandene iTunes-Sammlung daheim lassen kann. Auch ist das Thema der Synchronisation (Safari auf Mac & iPhone, Kontakte,…) hinfällig, da ich durch diverse Tools (z.B. eigene Firmencloud) daran nicht mehr gebunden bin.
Die Auswahl der Apps ist für mich weiterhin ein kleines Problem: Zwar fand ich auf anhieb (in dem furchtbar unsortierten Google Play Store) meine meist genutzten Apps wie Foursquare, Twitter und Instagram, mein heiß geliebter Ordner auf dem iPhone »Read« mit Quote.FM und Reeder wird wohl vorerst nicht den Weg auf das Nexus schaffen.
Ich möchte jetzt und hier nicht viel zum Nexus schreiben, ich bin ehrlich gesagt ziemlich begeistert, dem widme ich aber bald ein eigenen Post. Nachdem mir gestern auf meinen Android-Tweet keiner antworten wollte, welchen Mailclient denn man benutzen könne, möchte ich noch einmal fragen:
Was für Apps braucht man, sind empfehlenswert? Welche App oder welches Widget möchtet ihr auf eurem Android nicht mehr missen?
So, es herrscht wohl heute Aufregung. Einigen Instagram-Nutzern wird unter News der Reiter bzgl. der Änderungen der Datenschutzrichtlinien & Nutzungsbedingungen aufgefallen sein. Facebook darf somit ab sofort alles mit unseren Bildern machen. Sie verkaufen. Sie für Werbung nutzen. Alles. Das geht doch nicht. Das darf doch nicht sein.
A second section allows Facebook to charge money. It says that “a business or other entity may pay us to display your… photos… in connection with paid or sponsored content or promotions, without any compensation to you.” That language does not exist in the current terms of use.
(Quelle: http://news.cnet.com/8301-13578_3-57559710-38/instagram-says-it-now-has-the-right-to-sell-your-photos/)
Nun mal ehrlich: Hatte damit wirklich niemand gerechnet? Besser: Gibt es irgendeinen naiven Nutzer, der dachte, Facebook hätte andere Pläne dafür? Und schlussendlich: Ist dieser Schritt überhaupt eine Schlagzeile wert?
Bisher bestand mein Leben™ aus Uni, Freizeit und Arbeiten, wobei alle drei Punkte meist vollkommen durchmischt waren. In der Uni hatte ich Freizeit, Freizeit war arbeiten, Arbeiten tat ich dann doch wieder in der Uni — und so weiter. Aber keine Woche war gleich, mal lag mein Fokus auf einem Uni-Projekt, dann bekam ich wieder einen Auftrag, der mich die nächsten Wochen / Monate beschäftigen sollte. Auch war die Freizeit mehr ein Weiterarbeiten, meist an eigenen Projekten, wenn dafür Zeit vorhanden war. Alles wurde an der Produktivität gemessen. Viel gearbeitet = Guter Tag.
Seit dem Schritt in die Selbständigkeit mit meinem Bruder gehe ich von 10 bis 18 Uhr in die Arbeit. Montag bis Freitag. Wir arbeiten derzeit an zwei großen Projekten, es macht Spaß, Anfragen sind da, ich muss mir keine Sorgen machen. Dennoch habe ich ein Problem: Die Freizeit. Bisher, wie oben beschrieben, war Freizeit nicht wirklich das, was man sich darunter vorstellt. Bevor mein Bruder und ich unsere Firma starteten nahm ich mir vor, diese endlich mal als solche zu nutzen, heißt: Kein Arbeiten zu Hause, keine Projekte zu Hause, kein Coda, nichts. Ich wollte mich entspannen, fit für die Arbeit sein.
So. Da war ich also und diese Freizeit. Es war 20 Uhr, schlafen kann ich nicht vor 2 Uhr. Es standen also sechs Stunden vor mir, mit nix, ohne Arbeit — frei. Seltsam. Ich bin kein Filme-Fan, mein bisheriger Lebensstil deklarierte diese als Zeitverschwendung. Aber genau so etwas brauchte ich nun. Nun gut, Filme bei iTunes geliehen, angesehen, für langweilig empfunden. Freunde angerufen, macht Spaß, ist lustig, aber nicht jeden Abend (ich brauche immer mehr Zeit für mich, jung war ich mit 15).
Es war seltsam, aber ich kam damit nicht zurecht. Novum, Page, Slanted — ja selbst die NEON (!!) habe ich komplett gelesen. Meist war 23 Uhr, ich schaute zehn Minuten TV Total, bis ich mich wieder über diese Zeitverschwendung aufregte und mich nach oben begab.
Heute, ich glaube die zwölfte Woche der Firma, komme ich besser zurecht. Ich habe mir Rollercoaster Tycoon heruntergeladen und fühle mich wieder wie vierzehn. Ich bin nun besser geworden im Zeitverschwenden, ich kann die Zeit genießen. Dennoch erwische ich mich immer wieder bei Produktivem — wie z.B. diesem Blog, der eigentlich auch in die verbotene Kategorie gehört (ja, ich öffnete für das Theme Coda). Mein nächster Schritt ist ein Roman, sowas schenkte ich in meinem Leben bisher keine Zeit (außer vier Seiten Harry Potter, als ich auf einem Kreuzfahrtschiff gefangen war). Mal sehen, ob das klappt.
So, liebste Freiberuflichen (und natürlich alle anderen Berufstätigen), was macht ihr denn in eurer Freizeit? Schon beim Briefmarkensammeln angekommen oder baut ihr noch Spielzeugeisenbahnen? Was macht ihr, um vom Modus Produktiv loszukommen und um einfach mal privat zu sein? (Oder habe nur ich dieses Problem?)
Ich habe ein konsequent falsches Einkaufsverhalten im App Store: Ich kaufe alles*. Sei es für den Mac, für das iPad oder iPhone — irgendwann kann ich es vielleicht noch gebrauchen. So habe ich beispielsweise für ToDo-Apps sicherlich mehr Geld ausgegeben, als ich für Block & Stift jemals hätte können. Doch gestern zweifelte ich tatsächlich daran, ob 1Password sein Geld wert ist — ja. Nicht nur die iPhone-App mit regulär 12,99€, nein auch die Mac App für 44,99€ besitze ich nicht, obwohl spätestens diese Synchronisationsmöglichkeit zwischen verschiedenen Geräten mich meist zum Kauf überreden konnte. Mein Problem mit 1Password ist einfach: Brauche ich eine App für insgesamt rund 50€, die mir im Notfall die Passwort vergessen-Möglichkeit ersetzt?

So, lange Geschichte, für einen kurzen Gedanken: Ich wollte per Twitter fragen, was denn nun wirklich der Mehrwert dieser App ist; was ich vielleicht übersehe. Irgendwelche Verrückten müssen ja diese App kaufen. Nach meinem fünfminütigen Versuch, die Frage in einen Tweet zu quetschen, gab ich auf und überlegte es bei Google Plus auf Facebook zu posten. Wie auch immer — die logische Konsequenz war ein Blog, natürlich. Somit werde ich nun meine Follower bis zum Entfolgen mit Bloglinks zuspamen, jeden mir einfallenden Gedanken und jede offene Frage, jede tolle neue Webseite oder App und jeden Film oder Lied hier versuchen** zu diskutieren. Vielleicht wird mal in Zukunft mein Hund thematisiert, vielleicht auch die Firmengründung — wer kann das schon ahnen.
So, ich freu mich drauf. Bitte nicht wundern, sollte sich die Gestaltung von Besuch zu Besuch ändern, final wird es nie. Auf bald.
*Ausgenommen Apps mit abgrundtief hässlich gestaltetem Layout oder Icon.
**Ich hoffe inständig auf Kommentare, traut euch, los los!